
Bei der öffentlichen Veranstaltung zur Nachverdichtung im Weilimdorfer Stadtteil Wolfbusch nutzten viele Anwohner die Gelegenheit der Stadtverwaltung ihre Meinung mitzuteilen. Kritikpunkte waren die Erschließungskosten, fehlende Parkplätze und die geplante zu hohe Bebauung. Foto: Ruppert
22.02.2012
Pläne der Stadtverwaltung stoßen bei vielen Bürgern auf Unverständnis und offene Kritik. (fr) – Bei einer öffentlichen Veranstaltung im Weilimdorfer Bezirksrathaus nutzten viele Bürger am Mittwoch vergangener Woche die Gelegenheit, die Pläne für die Nachverdichtung in Wolfbusch zu kritisieren. Erschließungskosten und die Parkplatzsituation sind dabei die größten Ärgernisse.
„Mit einem solchen Menschenandrang haben wir nicht gerechnet“, sagt Weilimdorf Bezirksvorsteherin Ulrike Zich gleich zu Beginn der öffentlichen Diskussionsveranstaltung zum Thema Nachverdichtung der Wolfbuschsiedlung am Mittwoch vergangener Woche. Der Sitzungssaal im Bezirksrathaus platzt aus allen Nähten, einige Besucher müssen der Veranstaltung sogar vom Gang aus folgen. Vertreter der Stadtverwaltung waren nach Weilimdorf gekommen, um sich den Fragen der Bürger aus Wolfbusch zu ihren Plänen für den Waldhornweg und den Hubertusplatz zu stellen. Im Rahmen eines neuen Bebauungsplans soll unter anderem auf den Grundstücken an der Südseite des Waldhornwegs künftig die Bebauung mit zweigeschossigen Ein- und Doppelhäusern möglich sein. Derzeit finden sich dort vor allem Garagen der Anwohner vom Dischinger Weg. Schon die Einbringung des Aufstellungsbeschlusses im Bezirksbeirat im Januar hatte zu Protesten unter dem Publikum der Bezirksbeiratssitzung geführt. Kathrin Steimle vom Stadtplanungsamt zeigt sich gleich zu Beginn der öffentlichen Veranstaltung am Mittwoch erfreut über die rege Bürgerbeteiliung: „Ich hatte auch schon Erörterungstermine, zu denen nur eine handvoll betroffener Bürger gekommen sind. Wir wollen den Dialog offen gestalten, denn unsere Pläne sind nicht in Stein gemeißelt.“ Die Stadtverwaltung befinde sich noch am Anfang des Prozesses und Anregungen seien sehr willkommen. Bis zum endgültigen Bebauungsplan vergehe noch viel Zeit, so Steimle weiter. Als eines der größten Probleme für die Anwohner erweist sich schnell die Parksituation. Durch die vorgesehenen Veränderungen am Waldhornweg besteht die Gefahr, dass weitere Stellplätze für die Anwohner des Dischinger Wegs wegfallen. Meist gibt es dort nur einen Stellplatz pro Haus, so dass Viele auf die Garagen und Stellplätze am Waldhornweg angewiesen sind. „Wo sollen wir mit unseren Autos hin, wenn der Plan so umgesetzt wird? Und was machen wir mit Besuchern?“, fragt ein Bürger. Den Vertretern der Stadtverwaltung ist die Problematik nicht neu, daher haben sie als Ersatz für die Garagen die Möglichkeit von Carports miteingeplant. Eine befriedigende Lösung wird an diesem Abend jedoch nicht gefunden. „Wir müssen auch einsehen, dass die Siedlung in den 30er Jahren entstanden ist und die Menschen damals noch nicht so viele Autos wie heute hatten“, sagt Zich. Und Steimle ergänzt: „Wir kennen das Problem, aber wir müssen mit den Gegebenheiten vor Ort klarkommen.“ Auch die vorgesehene Bebauung mit bis zu zweigeschossigen Häusern in der ansonsten mit eingeschossigen Gebäuden und vorgeschriebener Traufhöhe versehenen Siedlung stößt auf Kritik bei den Anwohnern. „Dadurch ist der Siedlungscharakter zerstört“, stellt Klaus Hettegger von der Siedlergemeinschaft fest. Steimle muss zugeben, dass in den politischen Gremien dieses Thema nicht als Problem gesehen wurde. Nach Ansicht der Stadtverwaltung sei eine so hohe Bebauung vertretbar, weil ausreichend Abstand zu den umliegenden Gebäuden gegeben sei. Lautes Missfallen bekunden die Besucher als Hubertus Schumann vom Stadtmessungsamt die Erschließungskosten anspricht. Der Waldhornweg wird zwar schon seit jeher als gewöhnliche Straße genutzt, allerdings wurden bislang noch keine Erschließungskosten dafür erhoben. „Bei einer Einheitsrate von 151 Euro pro Straßenquadratmeter, belaufen sich die Erschließungskosten für Anwohner am Waldhornweg auf Summen zwischen 11 500 und 15 500 Euro pro Grundstück“, so Schumann. Für Anwohner am Dachsweg ergeben sich Kosten von 4000 bis 6000 Euro, weil auch ihre Grundstücke über den Waldhornweg erschlossen werden. Günther Kimmelmann vom Stadtplanungsamt wendet ein, dass den Erschließungskosten auch große Wertsteigerungen der Grundstücke entgegenstünden. So werde der Quadratmeterpreis am Waldhornweg wohl von 80 bis 100 Euro auf 580 bis 600 Euro steigen, erklärt Kimmelmann. Ein Besucher wendet dagegen ein: „Ich glaube, dass durch die Bebauung am Waldhornweg die oberen Grundstücke an Wert verlieren.“ Auch der Hubertusplatz wird an diesem Abend heiß diskutiert. Das Stadtplanungsamt sieht vor, den Platz zu einem Mischgebiet zu machen, um die Attraktivität für Ladeninhaber zu steigern. „Auf diese Weise kann mehr Grundstücksfläche als bislang überbaut werden, und auch andere Gewerbetreibende wie Frisöre und ähnliche können sich dort ansiedeln“, so Steimle. Handlungsbedarf besteht, weil „Aki‘s Hubertusmarkt“, der kleine Getränke und Lebensmittelmarkt vor Ort, voraussichtlich Mitte März schließen wird. Am Ende der mehrstündigen Veranstaltung lässt Zich über verschiedene Themen abstimmen um ein Meinungsbild zu erhalten. Die Mehrheit der Versammelten spricht sich grundsätzlich gegen eine Bebauung aus. Sollte gebaut werden, ist die deutliche Mehrheit für eine eingeschossige Bebauung. Steimle sichert am Ende der Veranstaltung zu, die Anregungen der Bürger in Planungsgespräche mit einzubeziehen.