Eintauchen in die Feuerbacher Ortsgeschichte

Projektgruppenleiter Joachim Arendt (l.) und WOGV-Vorsitzender Helmut Wirth enthüllen feierlich die Objekttafel des Begehbaren Feuerbacher Gedächtnisses an der Kelter (oberes Bild). „Gestiftet von den Bezirksbeiräten“: die Tafel am Bezirksrathaus (u.) – Ans Handy, fertig los:

Per Abfotografieren gelangt man auch an der Kelter-Tafel schnell zu weiterführenden Informationen im Internet. Fotos (3): Schenkel

25.01.2012

Die ersten beiden Objekttafeln des „Begehbaren Feuerbacher Gedächtnisses“ wurden enthüllt (ms) – Stadtgeschichte zum Anfassen: Das Projekt „Begehbares Feuerbacher Gedächtnis“ nimmt sichtbare Form an. Zwei von mehr als 200 geplanten Objekttafeln an kulturhistorisch wichtigen Orten in Feuerbach sind angebracht. Auftakt war am vergangenen Dienstag am Bezirksrathaus, der zweite Akt folgte am Samstag an der Kelter. Bis zu 60 Tafeln sollen noch bis Mitte des Jahres folgen.

„Hier hing früher der Zigarettenautomat, den brauchen wir ja heute nicht mehr“, schmunzelte Helmut Wirth, der Vorsitzende des Wein-, Obst- und Gartenbauvereins (WOGV) Feuerbach. Statt Zigaretten finden Besucher der Kelter dort nun Wissen – zumindest über einen Ausschnitt der Geschichte des Bauwerks. Die Plexiglas-Schautafel ist Teil eines großen Vorhabens. An mehr als 200 kulturhistorischen Orten in Feuerbach sollen solche Infotafeln installiert werden. Damit soll die Stadtgeschichte erlebbar werden, ein Netzwerk von verknüpften Orten, die man beispielsweise bei einer Wanderung aufsuchen kann, das „Begehbare Feuerbacher Gedächtnis“. Grund genug für einen kleinen Festakt: Am vergangenen Samstag wurde die Objekttafel an einem der markantesten und historisch bedeutsamsten Gebäuden feierlich enthüllt. Betreiber der Kelter ist der WOGV, also begrüßte der Vorsitzende Helmut Wirth die rund 40 Gäste. „Dieses Projekt ist wichtig für uns Talkrabben. Deshalb sind Spenden immer willkommen, wir dürfen nicht vergessen, dass die Tafeln Geld kosten“, warb Wirth. 250 Euro kostet eines der Mini-Denkmäler. Wer die komplette Summe stiftet, wird als Wohltäter darauf verewigt. Aber es sind auch kleinere Spenden möglich. „Ich würde mich freuen, wenn sich noch mehr Spender verewigen lassen“, sagte Joachim Arendt. Er ist ehrenamtlicher Projektleiter der Gruppe, die das „Gedächtnis“ gestaltet. „Wir hatten zunächst Angst, dass wir Klinken putzen müssen.“ Aber das ist nicht der Fall – zahlreiche Feuerbacher wollen die Tafeln sponsern, auch beim Stehempfang nach der Enthüllung suchten mögliche Stifter das Gespräch. So auch Frank Iwer und Christa Lang. Die beiden sind vor zweieinhalb Jahren nach Feuerbach gezogen. „Wir fühlen uns sehr wohl hier und vom ,Begehbaren Gedächtnis‘ sind wir begeistert“, sagte Christa Lang. „Wir würden uns zum Beispiel für ein industrienahes Objekt interessieren.“ Bis zur Mitte des Jahres sollen stolze 50 bis 60 weitere Tafeln angebracht werden. Die nächsten „Enthüllungen“ sind voraussichtlich bereits im Februar. Die Mitglieder der Projektgruppe seien „alle hoch motiviert“, betonte Joachim Arendt. Der langjährige Bezirksbeirat hatte nach seiner Berufskarriere als Ingenieur ein Geschichtsstudium erfolgreich abgeschlossen. „Ich wollte nach meiner Rente eine richtige Zäsur.“ Seit Längerem möchte er seine Mitbürger für die Ortsgeschichte begeistern: „Sie werden staunen, wie viel Geschichte in unseren Steinen verborgen ist.“ Unter dem Dach des Zukunftsforums Feuerbach hatten sich vor mehr als eineinhalb Jahren neun Arbeitsgruppen zusammengefunden – eine davon war die AG „Erlebbare Stadtgeschichte“ mit Moderator Moritz Paysan. Das „Gedächtnis“ ist eines der wichtigsten Projekte dieser AG. Der Startschuss zur Umsetzung fiel am vergangenen Dienstag: Bezirksvorsteherin Andrea Klöber enthüllte die erste Tafel am Bezirksrathaus. „Gestiftet von den Feuerbacher Bezirksbeiräten“ steht darauf zu lesen. Die Stadtgeschichte zu erleben, das soll mehr bedeuten, als an wichtigen Gebäuden historische Informationen zu finden. Eine gedruckte Broschüre ist geplant, mit der die Feuerbacher tiefer in die Geschichte eintauchen können. Die Liste der mehr als 200 Objekte umfasst verschiedenste Orte, neben Kelter und Bezirksrathaus auch Schulen, die Festhalle, den früheren Militärschießplatz an der Mähderklinge, den alten Friedhof, das Krankenhaus und viele weitere aus nahezu allen Epochen. Dann gibt es noch die kleinen schwarz-weißen Muster auf den Objekttafeln: Benutzer moderner Handys kennen diese Quadrate. „Das sind so genannte QR-Codes“, erklärte Helmut Wirth den Besuchern an der Kelter-Tafel. „Mit der richtigen Software in einem Smartphone muss man den Code nur abfotografieren und kommt dann auf die Internetseite mit weiteren Informationen.“ So kann das Projekt immer wieder aktualisiert oder Neues hinzugefügt werden: „Das ist mit so einer Tafel dagegen schwierig.“ Diskutiert wurde auf dem Stehempfang am Samstag auch schon über ein neues Projekt: Moritz Paysan hatte Entwürfe für eine stadthistorische Illustration mitgebracht. An einer sehr zentralen Stelle soll in Zusammenarbeit mit der SSB eine Installation mit Informationen und künstlerischen Elementen realisiert werden.

Letzte News

23.02.2012 00:00
Feuerbach robust genug für weitere Spielhallen?

Vorlage zu neuen Vergnügungsstätten-Konzeption im Feuerbacher Bezirksbeirat diskutiert. (ms) –...

[mehr]
22.02.2012 14:49
Nachverdichtung in Wolfbusch wirft Fragen auf

Pläne der Stadtverwaltung stoßen bei vielen Bürgern auf Unverständnis und offene Kritik. (fr) –...

[mehr]
22.02.2012 14:43
Live-Rock mit Risk in der Pauluskirche

Hunderte von Musikfans füllten am vergangenen Samstag die Zuffenhäuser Pauluskirche: Risk, in...

[mehr]